Mogelpackung

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Mogelpackung

Kein Land, das das Wort «demokratisch» im Namen führt, wird oder wurde je diesem Anspruch gerecht. DDR, DVR Korea, DR Kongo: alles nicht so wirklich überzeugend demokratische Staaten. Könnte es sein, dass dieser Etiketten-Schwindel auch im normalen Leben anzutreffen ist?

Es scheint, wann immer positive Eigenschaften besonders stark betont oder gebetsmühlenartig wiederholt werden, ist Vorsicht geboten. Das genaue Gegenteil könnte der Fall sein. Hier drei Beispiele.

#1: Nachhaltigkeit

Viele ach-so umweltfreundliche und saubere Produkte unserer Tage sind alles mögliche, nur nicht nachhaltig. Beim Thema E-Auto z.B. ist noch einiges an Arbeit nötig, um die Umweltbilanz der Lieferketten in den Griff zu bekommen und Menschenrechte nicht weiter mit Füßen zu treten, siehe z.B. den Abbau von Kobalt im (demokratischen) Kongo. Zugegebenermaßen trifft diese Schweinerei auch auf Handybatterien und andere Anwendungen zu, aber dann sollte man wenigstens davon absehen, scheinheilig von sauberer Technologie zu faseln.

(Kobaltabbau: So schmutzig ist die saubere Elektroauto Zukunft | ZDFinfo Doku).

Nachhaltig ist der überdimensionierte und mit Unmengen an Leistungs-Reserven versehene Mercedes aus den 80ern, der heute noch in Afrika und Mittelost als Taxi umherdüst und locker 2 Mio. Km auf der Uhr hat. Für ihn musste jahrzehntelang kein Ersatz produziert werden, weil er nicht wie der heutige Schrott nach Ablauf der Garantie in seine Einzelteile zerfällt.

Ja natürlich, so wie solch ein Fahrzeug da steht, ist es ein Stinker vor dem Herrn und kann mit einem E-Auto nicht mithalten. ABER: was nützt ein vermeintlich sparsames Gerät, wenn es nach kurzer Zeit ausgetauscht werden muss und sowohl Herstellung als auch Recycling jedes mal Unmengen an Energie fressen?

Wollte man wirklich ökologisch bauen, wären die Dinge robust, kostengünstig zu reparieren und vor allem eines: langlebig. Wie mein alter Herd, der ganz gewiss kein Klassen-Primus in Effizienz ist. Dafür verrichtet er seit knapp 45 Jahren zuverlässig seinen Dienst. Welcher A+++ Öko-Nachhaltigkeits-Herd kann da mithalten?

#2: Toleranz

Habe ich Halluzinationen oder sind die intolerantesten Menschen nicht häufig diejenigen, die sich selbst als besonders tolerant inszenieren? Man denke nur an diese unsägliche Cancel Culture, die vorgibt, im Namen des Antifaschismus Rassismus und Diskriminierung zu bekämpfen, während sie sich – natürlich in bester Absicht – teils selbst faschistischer Methoden bedient. In einem vom Hass zerfressen Kampf wird rigoros alles platt gemacht, was nicht den eigenen Maßstäben entspricht. Es ist ein Feldzug für Vielfalt und Toleranz, der selbst intoleranter nicht sein könnte und dabei sogar vor Denunziation, Rufmord und physischer Gewalt nicht zurück schreckt.

Auch die harmlosere Variante, andere niederzubrüllen oder ihnen einfach öffentlichkeitswirksam die moralische Integrität abzusprechen, weil sie nicht mit der Schablone der eigenen Engstirnigkeit in Einklang zu bringen sind, ist kein Zeichen von Haltung und gelebter Demokratie. Es ist erbärmlich.

Allein dort, wo die Grenzen der Strafbarkeit überschritten werden, ist Gegenwehr notwendig. Das ist dann aber Aufgabe von Polizei und Justiz und nicht von krakeelenden Aktivisten.

#3: Vielfalt

Wo Vielfalt gepredigt wird, findet sich oft nur Eindimensionalität und Schwarzweiß-Denken. Insbesondere in vielen Medien daran zu sehen, was NICHT zu sehen ist. Durch gezieltes Auslassen und einseitige Themenwahl entsteht ein Zerrbild. Sehr selten findet man heutzutage in GEZ-finanzierten Kanälen echte Perlen von Rede und Gegenrede; also Vielfalt, die ihren Namen tatsächlich verdient. Abgesehen von «buntem» Personal vor der Kamera, endet es inhaltlich heute allzu oft an den Grenzen der eigenen Gesinnungsblase.

Vor nicht allzu langer Zeit hörte ich im Radio einen Bericht über die neue Kriminalstatistik. Im Speziellen ging es um Extremismus. Dort wurde lang und breit erklärt, welch großes Problem rechte Gewalt und Rechtsradikalität darstellten. Und ja, das ist völlig richtig, es ist ein Problem! Es ist aber nicht das Einzige. So wurde nur in einem einzigen Nebensatz zum Schluss erwähnt, auch linksradikale Gewalt hätte im Laufe des letzten Jahres um 40% zugenommen! Vierzig! Man war aber flugs dabei hinterher zu schicken, es seien ja Rechte, die Menschen umbrächten. Zu den dramatischen vierzig Prozent von Links kein weiteres Wort. Klar, Polizeikräfte mit Ziegelsteinen schwer zu verletzen ist natürlich eine Schelmerei, ein Bubenstreich. Nicht der Rede wert. Islamistische und andere Formen des Extremismus kamen in besagtem Feature gar nicht vor.

Inhaltlich ist alles korrekt, nur fehlt ein gewichtiger Teil der Wahrheit. Ich nenne dieses Phänomen «die Kunst, mit der Wahrheit zu lügen».

Mogelpackung

Es gäbe viele weitere Beispiele, wo Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander klaffen. Wichtiger scheint mir jedoch das dahinter steckende Muster:  wann immer Leute oder Organisationen sich selbst als besonders moralisch, ethisch, tolerant, menschenfreundlich oder sonst wie positiv in Szene setzen; also sich selbst erhöhen, sollte man genau hinsehen. Denn: vor solchen Typen hat schon die Bibel gewarnt, wie die Kurzgeschichte vom Pharisäer und dem Zöllner eindrücklich zeigt.

Aber auch, wenn Dinge oft und in ständiger Wiederholung mit wohlklingenden Attributen versehen werden, könnte etwas faul sein.

Wenn etwas wirklich echt und gut ist, spricht es dann nicht für sich selbst?

2022, Olliwaa (Oliver Schömburg)

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