Nachdem wir die Karate Gruppe aufgelöst hatten, startete sie voll durch

Kategorien Erfolg, Karate
Nachdem wir die Karate Gruppe aufgelöst hatten, startete sie voll durch

Manchmal musst Du alte Brücken abreißen, um neue Wege finden zu können.

Das Ende begann, als sich die Karate-Gruppe 2016 langsam auflöste. Die Lokomotiven, die alle anderen stets hinter sich her zogen und für Leben sorgten, wechselten die Gleise. Zum Studieren, dem Neuanfang anderswo; oder sie parkten im heimischen Schuppen, um für die junge Familie da zu sein.

Das war traurig, doch irgendwie musste es weitergehen, wenn auch fortan mit der langsameren Pferdekutsche. Leider gelang es mir nicht mehr, ein Mindestmaß an Standard zu etablieren und halten. Die Gründe dafür waren vielfältig und niemandem anzulasten.

Dazu gehörten, um nur ein Beispiel zu nennen, für schulpflichtige Teenager gänzlich unpassende Trainingszeiten. Manche Kids konnten sich vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten, geschweige denn, irgendetwas aufnehmen. Gut, wenn man direkt zuvor noch einen weiteren Kurs hatte und der Kalender so voll ist, wie der eines DAX Vorstands, ist das ohnehin kein Wunder.

Wann immer neue Aspiranten anklopften, war der Mangel unserer Gruppe deutlich zu spüren und nur wenige fühlten sich berufen, zu bleiben. Manche Interessierte habe ich direkt an andere Sparten wie Krav Maga und Jiu Jitsu weiter gereicht, da ich ihnen nichts anbieten konnte. Ein Teufelskreis. Und so oszillierten wir mehrere Jahre um den Nullpunkt.

Das Ende

Im Januar 2019 gab ich nach langem Zweifeln, an mich selbst gerichteten Niemals-aufgeben-Parolen, erfolglosen Vorwarnungen und zahllosen beinahe Handtuch-Würfen bekannt, dass das Pferd tot sei und ich absteige.

Meine Zeit als Karate Trainer war beendet…

Wiederbelebung

Hatten gutes Zureden und eindringliche Worte zuvor nichts bewirkt, so führte dieser radikale Schritt dazu, dass plötzlich alle wieder auftauchten und mit langen Gesichtern darum baten, die Karate Gruppe doch bitte nicht sterben zu lassen. Woher dieser jähe Wandel kam, ist mir bis heute ein Rätsel.

Jedenfalls schien das Pferd noch zu leben und so beknieten meine Schüler den Vorstand. Wir vereinbarten, es noch einmal probeweise zu versuchen.

Das kommende Halbjahr war dann auch wie aus einem anderen Film. Das Dojo war Woche für Woche gut besucht, die Motivation groß und sogar mein Sensei, der in Hamburg einen eigenen Verein betreibt, stieg mit ein. Dies war die Zeit, als der Titel für diesen Artikel entstand.

Das Pferd ist tot

Bis die Sommerferien vorbei waren…

Nach den Schulferien war es wieder wie verhext, so als gäbe es nur zwei Zustände – an und aus. Alles oder Nichts. Die Matte blieb bis auf zwei, manchmal drei Eleven, leer. Eine Person, die zuvor voller Elan die erste Gürtelprüfung bestanden hatte, habe ich sogar nie wieder gesehen!

Wieder allenthalben Ausfälle. Alle hatten ihre legitimen Gründe, doch das Resultat war zum Verzweifeln und Kontinuität unmöglich.

Ende November 2019, nach genau zehn Jahren, habe ich endgültig aufgegeben und den Verein schweren Herzens verlassen.

Im Nachhinein denke ich, dass – abgesehen von unverschuldeten Ausfällen einiger Schüler – meine eigenen Ansprüche und Vorstellungen nicht mehr kompatibel waren mit der Art von Ansprache, die es in jener Konstellation gebraucht hätte. Mein größter Fehler war es, mich zu lange an etwas zu klammern, was objektiv nicht zu erreichen ist. Europa ist nicht Asien und auch die Zeiten ändern sich!

Meine Schüler haben ein Anrecht auf einen motivierten Sensei, der geduldig auf ihre Bedürfnisse eingeht. Doch mein Vorrat an Geduld war leider schon lange verbraucht.

Neue Wege

Die Trauer über das Ende einer Dekade voll prägender Erinnerungen und unvergesslicher Momente währte zum Glück nicht lange. Vielleicht stimmt es wirklich: in dem Moment, da sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere! Es braucht nur den Mut, loszulassen und hindurch zu gehen.

Was mir das Schicksal neben der neu gewonnen Freiheit eröffnet hat, könnte schöner nicht sein. Doch das ist so privat, wie das Training, auf das ich mich (und jemand sich) zukünftig freuen darf…

Der Weg geht weiter, immer weiter!

2019, Oliver Schömburg (Olliwaa)

1 Gedanke zu „Nachdem wir die Karate Gruppe aufgelöst hatten, startete sie voll durch

  1. Auf dem Karate-Do gibt es nur einen Horizont. Den erreicht man nie. Hast Du einen Hügel erklommen, öffnet sich erneut der Horizont. Eben…. auf dem Karate-Do…..
    OSS

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.