Die Umwelt zerstören, um das Klima zu retten

Kategorien Politik
Die Umwelt zerstören, um das Klima zu retten

In meiner Stadt wurde neben dem Bahnhof eine Fläche von 900m2 gerodet und versiegelt, um Stellplätze für Fahrräder zu schaffen. Wieder eine Landnahme zur Klimarettung…

Ist es nicht dufte, wenn Radfahren gefördert und der Umstieg vom Auto erleichtert wird? Oder wenn Menschen ihre Karre stehen lassen und stattdessen diese putzigen E-Roller nutzen?

Immer mehr

Ich bin kein Experte für Umweltschutz. Gut möglich, dass in meiner kleinen Welt der Blick für das große Ganze fehlt. Ich schreibe, was ich sehe.

Nach meiner Wahrnehmung bedeuten vermeintlich umweltfreundliche Maßnahmen und solche, die im Namen der Klima-Rettung geschehen, fast ausschließlich ein Mehr an etwas.

Es werden neue Produkte auf den Markt geschmissen, die nicht Altes ersetzen, sondern zusätzlich hinzukommen. Dinge, die mit viel Aufwand geplant, gebaut, transportiert, gewartet, verwaltet und verschrottet werden. Kurzum, Sachen, die Energie fressen und NICHT umweltfreundlich sind.

So vermüllen E-Scooter jetzt die Innenstädte, ohne dass eine spürbare Reduktion des Autoverkehrs erkennbar wäre.

Auch diese neumodischen MOIA Taxen surren kreuz und quer durch die Innenstädte. Wann immer eines an mir vorbei düst, sitzt kein Fahrgast drin. Nicht ein einziges Mal. Diese Dinger pusten keine direkten Abgase in die Luft, verbrauchen aber Energie; und nehmen Raum ein. Kleine Randnotiz: von der Umweltzerstörung durch die Batterien will ich garnicht reden (Süddeutsche: Die dreckige Wahrheit der Mobilitätswende).

In dem Ort, in dem ich lebe, werden gerade hunderte Wohnungen gebaut (architektonisch im Stile sozialistischer Mietskasernen; aber das ist ein anderes Thema). Heißt, Einwohner und Fahrzeuge werden immer mehr.

Darum dient der eingangs erwähnte Fahrradparkplatz auch nicht dem Umweltschutz, sondern dem (verzweifelten?) Versuch, den bevorstehenden Verkehrsinfarkt hinauszuzögern. Anders gesagt: was als Klima-Initiative gepriesen wird, ist nur eine Option, an anderer Stelle weiteres Wachstum zu ermöglichen.

Falsche Annahmen, falsche Richtung

Schon 1971 hat der amerikanische Philosoph Alan Watts erklärt, dass die Menschheit keine Ahnung davon habe, was zu tun wäre, um die Erde zu retten. Man könne einen Zustand der Panik erzeugen, doch das würde nichts Gutes bewirken (hallo Greta…)!

Einige Dinge, die wir tun könnten, um an einem Ende etwas zu verbessern, würden möglicherweise an anderer Stelle «ökologische Fehler» sein.

Alan Watts fässt zusammen, was in der Welt falsch läuft.

Das Problem sei, dass die Menschheit immer glaube, etwas tun zu müssen. Dummerweise sei es so, dass unser Denken auf mathematischen Modellen, Sprachen und Konzepten beruhe, die nur Symbole seien. Und diese wären als Annäherung zu simpel, um die ganze Komplexität der Erde abzubilden. Man dürfe nicht den Fehler machen, die Symbole für die Welt zu halten. Doch genau das passiere.

Da ist etwas verkehrt in der Art und Weise, wie wir denken [..] Es sind schockierende Neuigkeiten für die Menschheit [..] Wir werden immer nur Chaos und Unordnung stiften bei dem Versuch, die Dinge zu ordnen.

Alan Watts

Die Menschheit befände sich in einer Sackgasse, weil das, was wir tun, auf falschen oder unzureichenden Annahmen beruhe.

Ideen-Parkplatz

Zurück zum Zweirad-Parkplatz: warum wurden nicht vorhandene Auto-Parkplätze in Stellflächen für Räder umgewandelt? Wenn statt der vielen Bäume, die für 350 Drahtesel weichen mussten, Raum für Autos entfernt worden wäre, hätte man von echtem Austausch reden können. Das wäre für manche ärgerlich, doch wo kein Wagen mehr stehen kann, nimmt er auch keinen Raum mehr ein und muss weichen. Zwangsläufig.

Damit ebendieses Auto durch den Wegfall der Stellfläche nicht stundenlang umher gurkt, um anderswo einen Abstell-Ort zu finden, braucht es Alternativen, die den entfallenen Platz überflüssig machen; ergibt ja sonst wenig Sinn. Eine solche könnte – wenn es nicht das Rad sein soll – die Erhöhung der Taktzeiten von Bussen sein. Alle 15 Minuten, statt zweimal pro Stunde. Und angetrieben durch Elektro oder Wasserstoff…?

Wenn ich jetzt eine halbe Stunde warten muss, weil ich pünktlich an der Haltestelle war und der Bus gerade (zu früh) an mir vorbei gerauscht ist, plane ich erst garnicht mit dem öffentlichen Nahverkehr. Ärgerlich auch, dass mir seit der letzten Fahrplan-Änderung der Zug planmäßig vor der Nase wegfährt, wenn mein Bus am Bahnhof eintrifft.

Eine weitere Möglichkeit, die zugleich einen enormen Zugewinn an Lebensqualität für Alle bedeutet, nennt sich Home Office. Das entfallende Pendeln spart Lebenszeit, Stress und Nerven; es entlastet den öffentlichen Raum und schont die Umwelt. Die Corona-Pandemie hat bewiesen: es geht – und die Arbeitsergebnisse sind nach meiner Erfahrung auch meist besser! Für diejenigen, die nicht zuhause arbeiten können oder wollen, gibt’s zusätzliche Urlaubstage.

Auch intelligentere Ampelsteuerungen könnten Entlastung bringen. Warum an einer leeren Kreuzung stehen und sinnlos Benzin durch den Motor jagen? Noch schlimmer: Meine Ampel steht auf Rot, die dahinter auf Grün. Springt meine auf Grün, geht die dahinter auf Rot…einfach irre!

Mehr weniger tun

Es gibt einiges, das getan werden könnte. Vorallem wäre qualitatives Wachstum das Gebot der Stunde. Doch auch das ist meist mit irgendeiner Form des Tuns verbunden, für das wir Menschen offenbar verdammt sind.

Was eigentlich «getan» werden müsste ist, auf die Fähigkeit der Natur zu setzen, ihr eigenes Gleichgewicht wieder herzustellen. Mit den Worten von Alan Watts heißt das übersetzt:

Die Menschheit muss lernen, die Erde in Ruhe zu lassen.

2020, Oliver Schömburg (Olliwaa)

P.s.: Vielleicht auch interessant: Umweltschutz durch Dekadenz

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