„Wir lieben H.“ Bittersüße Begegnungen im Mittleren Osten

Kategorien Politik, Reisen
"Wir lieben H." Bittersüße Begegnungen im Mittleren Osten

Im Nahen und Mittleren Osten habe ich unfassbare Gastfreundlichkeit erlebt. Und auch haarsträubenden Rechts-Extremismus.

Sonnenseite

Orientalische Länder faszinieren. Menschlich, landschaftlich und kulturell bieten sie dem staunenden Gast unvergessliche Eindrücke. Gerüche, Gewusel, Farben – alles überwältigt. Schon bei meiner ersten Reise merkte ich: irgendetwas resoniert hier in mir. Vielleicht ist es das chaotische Treiben, das Nicht-Perfekte, die exotische Musik, das pulsierende Leben. Oder die Unmöglichkeit eines Lebens auf Autopilot. Wer je zu Fuß eine Hauptstraße in Beirut oder Teheran überquert hat, versteht mich.

Die Levante macht wach.

Ruhe bieten Berge, Wüsten und Parks aus Tausend und einer Nacht.

Ach ja, und das Essen – Göttlich!

Es ist unmöglich, nicht mit Einheimischen in Kontakt zu treten, auf eine Melone oder Wasserpfeife eingeladen oder irgendwo zum Klönschnack herein gewunken zu werden. Einmal nett fragen und nahezu alles ist möglich: Spontan die Schule von innen ansehen? Komm‘ wir fragen den Rektor / Darf ich kurz in ihr Hotel, von ganz oben ein Panorama-Foto machen? Bitte dort entlang!

Schade nur, dass der Großteil des „Westens“ diese faszinierenden Längen- und Breitengrade niemals zu Gesicht bekommt: Viel zu gefährlich…!

Vorurteile hin oder her: wirklich gefährlich ist die deutsche Naivität im Umgang mit Zuwanderung aus diesen Gefilden.

Schattenseite

„Wo kommst Du her, aus Deutschland? Wir lieben Deutschland! Besonders wegen Hitler, der Millionen Juden umgebracht hat. Wir lieben Hitler!“

Dies ist die andere, die traurige Seite. Und ich versichere: es gab etliche Begegnungen, wo mir Dinge wie diese unverblümt ins Gesicht gesagt wurden. Der Text variierte, die Kernbotschaft war immer die Selbe.

DAS. IST. BITTER!

So bitter, dass ich lange gezögert habe, darüber zu schreiben. Es liegt mir fern, aus diesen Erfahrungen pauschale Rückschlüsse abzuleiten. Doch es ist nicht von der Hand zu weisen:

In muslimisch geprägten Kulturen ist der Antisemitismus weit verbreitet. Mehr noch – es ist zuweilen Blut gefrierender Rechtsradikalismus!

Das ist nichts Neues.

Doch es ist ein Tabu, über das in der deutschen Öffentlichkeit geschwiegen wird. Und das halte ich für einen sehr gefährlichen Fehler, eine Schande!

Toleranz um jeden Preis?

Täter sein oder tatenlos wegsehen? Es macht keinen Unterschied.

Seit Jahren steigt in Europa die Zahl antisemitischer Übergriffe auf Juden, was mit Sicherheit nicht nur, aber auch auf die starke Zuwanderung aus dem Orient zurückzuführen ist. Wenn das Kind allerdings nicht beim Namen genannt werden darf und man sich stets in die Tasche lügt, verharmlost und relativiert, kann es auch keine Lösung für das Problem geben.


Video NZZ Standpunkte: Die Hydra hebt ihr Haupt – der neue Judenhass


Extrem rechts, extrem links oder muslimisch: gerade für uns Deutsche ist es eine Pflicht, Judenhasser mit aller Härte des Rechtsstaates zu bekämpfen. Hier darf es weder Politische Korrektheit, noch Toleranz geben.

Der oben zitierte Satz über Hitler stammt übrigens aus einem libanesischen Flüchtlingscamp, das ich 2018 auf eigene Faust besucht habe. Meine Gegenüber untermauerten ihre Nazi-Glorifizierung mit dem Hinweis, man verehre starke Männer und verachte Schwächlinge.

Somit gaben diese Leute selbst die Antwort, wie mit ihnen umzugehen ist.

Übrigens, ein zufällig anwesender Herr aus Berlin, der sich mir als Ali vorstellte, half mit Akzent-freiem Deutsch bei der Übersetzung aus dem Arabischen. Ein bemerkenswerter Satz, den er mir weiter gab, war dieser:

„Wir wollen alle nach Deutschland.“

2019, Oliver Schömburg (Olliwaa)

Ps.: Vielleicht auch interessant: Unterwegs auf der Achse des Bösen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.